Viel zu besprechen hatten Erden Ankay-Nachtwein, Helene Hanukic (ISS-Netzwerk), Rolf Haumann (Evangelischer Kirchenkreis), Karl-Richard Ponsar (Kinderschutzbund), Andrea Schachelhaus (Caritasverband), Heiner van Mil und Sabine Poppe (von links) nach der Fachtagung.
© Lara Hunt

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rga-online – 18. Juni 2018

Extremismus

Fachleute wollen mit Salafismus richtig umgehen können

Eine Tagung im Rathaus drehte sich am Montag um Extremismus.

Nach Angaben der Polizei spielte sich der Vorfall im vergangenen Jahr ab. Ein Mann aus der salafistischen Szene kam in die Sporthalle in Remscheid, in der auch sein Sohn trainiert. Er sprach zwei junge Heranwachsende an, ob sie nicht Lust hätten, mal zu ihnen zu kommen und dort in der Sporthalle zu trainieren. Ob das ein Anwerbeversuch in die salafistische Szene war oder nicht? „Das ist schwer zu sagen“, sagt Anja Meis von der Polizeipressestelle. Die Beamten nahmen den Vorfall ernst, der Staatsschutz wurde eingeschaltet. Der Träger des Sportangebots sprach mit den Jugendlichen. Kontakt zu dem Salafisten hätten sie danach nicht mehr gehabt, sagt Meis.

Für die Kerngruppe des Netzwerks „Unbegleitete ausländische Minderjährige“ und die Stadt Remscheid war es Grund genug, eine Fachtagung unter dem Motto „Islamisierung – Radikalisierung – gewaltbereiter Salafismus“ zu veranstalten. Sie fand gestern mit rund 60 Interessierten – vorwiegend aus der Jugendhilfe, aus Schulen, der Ausländerbehörde und der Politik – im Rathaus statt.

„Wichtig ist es, in Fachkreisen darüber zu sprechen“, erklärte Sabine Poppe vom Fachdienst Jugend der Stadt. „Wichtig ist es aber auch, differenziert über das Thema zu sprechen“, fügte Heiner van Mil von der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land hinzu.

Remscheid ist im Vergleich zu Wuppertal und Solingen sehr ruhig

Das Präventionsprogramm „Wegweiser“ des NRW-Innenministeriums wurde vorgestellt, das mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, den Einstieg junger Menschen in den gewaltbereiten Salafismus zu verhindern. Auch der Staatsschutz aus Wuppertal war zu Gast, um über die Lage in Remscheid zu sprechen.

Alles in allem sei diese beruhigend, zog Erden Ankay-Nachtwein, Vorsitzende des Integrationsrats, ihr Fazit. „Im Vergleich zu Wuppertal und Solingen ist Remscheid eine sehr ruhige Ecke, was extremen Islamismus, aber auch Extremismus von Rechts und von Links angeht“, sagt sie.

Ganz so locker will van Mil das nicht sehen. Von seiner täglichen Arbeit – die Evangelische Jugendhilfe Bergisch Land kümmert sich um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge – weiß er: Die Tendenzen sind da. „Wir müssen nicht in Panik verfallen, aber dafür sensibilisiert werden“, erklärt er. Das Problem gebe es nicht nur bei jungen Flüchtlingen, die sich – oft ohne jedes Netzwerk – in einem ihnen komplett fremden Land wiederfinden. „Die Gefahr gibt es auch bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die ausgegrenzt werden. Und auch für andere Jugendliche, die am Rand der Gesellschaft sind“, sagt er.

Er will mit dem Thema differenziert umgehen: Von Extremen ferngehalten werden können die Betroffenen nur, wenn sie anderweitig nicht ausgegrenzt werden. „Das heißt auch, nicht pauschal islamkritisch zu sein – der Islam ist in Ordnung, Probleme machen Splittergruppen“, sagt er. Es gelte, die muslimische Identität zu respektieren und ernst zu nehmen, Vorurteile beiseitezulassen. „Hass schürt Hass“, fasst er zusammen.

Von Lara Hunt