VfB-Trainer Carsten Piepenbring lobt seine Schützlinge Mohammad, Abdul, Aram und Ali (v.l.).
© Christian Werth

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rga-online – 5. April 2018

Menschlichkeit

Flüchtlinge finden eine Fußballheimat

Die Jugendabteilung des VfB Marathon integriert vier junge Spieler. Das Quartett hat große Ziele.

Auch wenn Goalgetter Ali noch kaum ein Wort Deutsch spricht, zeugt das Zusammenspiel mit seinen neuen Kumpels bereits von großer Harmonie. Genau wie auch die drei anderen Neuen im B-Jugend-Team des VfB Marathon Remscheid (Abdul, Aram und Mohammad) versteht man sich ohne Worte und wird auch abseits des Platzes von den deutschen Teamkameraden vorbildlich integriert.

Die vier Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Guinea und von der Elfenbeinküste sorgen dafür, dass es auf dem Trainingsgelände in Reinshagen multikulturell und multilingual zugeht. Es zeigt sich dort, dass Fußball längst nicht nur eine Sportart ist, sondern völkerverbindend wirkt und eine eigene Sprache hat.

„Sensationell, wie die sofort akzeptiert worden sind.“
VfB-Trainer Carsten Piepenbring

„Die neuen Jungs sind wunderbar aufgenommen worden und nun Teil unserer eingeschworenen Truppe“, berichtet VfB-Trainer Carsten Piepenbring nicht ohne Stolz. Auch dass die beiden Afrikaner Ali und Abdul noch gar kein Deutsch sprechen und Aram und Mohammad nur wenig, sei kein allzu großes Problem. „Fußball ist ein selbsterklärender Sport“, schmunzelt der Coach und ergänzt, dass man die Sprachbarriere außer mit Händen und Füßen zudem mit Englisch und Französisch „ganz gut überbrücken“ könne.

Außerdem stamme ein Teammitglied aus Tunesien und spreche auch arabisch, während für die Übersetzung besonders wichtiger Taktikschulungen zuweilen sogar die Libanesisch sprechende Oma eines Spielers hinzugeholt werde, offenbart der Trainer die Vielseitigkeit des VfB-Umfelds. „Hinzu kommt, dass ich eine gut funktionierende und sehr intelligente Truppe habe, in der jeder mitgenommen werden soll“, verrät Piepenbring, der den Großteil der 15- und 16-Jährigen schon seit zehn Jahren, also seit der Bambiniklasse, trainiert.

Dass nun die vier Flüchtlinge den Weg zum VfB gefunden haben, ist den Verantwortlichen des Kinderheims um Sozialhelfer Dominik Müller zu verdanken. „Wir sind angerufen worden und haben sofort zugesagt“, berichtet der Trainer und ergänzt, dass die Neuen auch bei den Jugendlichen von Beginn an willkommen gewesen seien.

„Sensationell, wie die sofort akzeptiert worden sind“, findet er. Da die Flüchtlinge erst im letzten Jahr ohne ihre Eltern und komplett mittellos nach Deutschland gekommen sind, mussten fürs Training zunächst einmal Fußballschuhe, Stutzen, Schienbeinschoner und Trikots besorgt werden. „Dabei haben wir eine Riesen-Solidarität erleben dürfen“, schwärmt Piepenbring, dass sich innerhalb kürzester Zeit Eltern und Sponsoren gefunden hätten, um die Ausrüstung zu finanzieren.

Durch Unterstützung konnten sie Nordseeluft schnuppern

Außerdem war in Kooperation mit dem Jugendamt Geld gesammelt worden, um den Kriegsflüchtlingen im Sommer die Teilnahme an der Mannschaftsreise nach Bensersiel zu ermöglichen. Problematisch war die Erteilung der Spielberechtigungen. „Da haben wir zum Teil lange drauf warten müssen, weil die Freistellung noch in den Herkunftsländern beantragt werden musste“, erklärt der VfB-Coach.

Seitdem auch die Formalien geklärt sind, geben die Flüchtlinge in der Kreisleistungsklasse alles für ihr Team und gehören zum Teil schon jetzt zu den Leistungsträgern. „Die Jungs sind absolut zuverlässig und sehr ehrgeizig. Vor allem Mittelstürmer Ali ist eine Rakete“, lobt Piepenbring.

Der 15-Jährige von der Elfenbeinküste gibt sich selbst jedoch bescheiden und spielt den Ball vorm Tor im Zweifelsfall zum Mitspieler. „Es läuft gut. Wir sind sehr gut aufgenommen worden und haben Freunde gefunden“, berichtet Mittelfeldspieler Mohammad, der bereits am längsten im Land ist und am besten Deutsch spricht.

Der junge Syrer freut sich auf die nächsten Jahre beim VfB und würde gerne Apotheker werden. „Wir müssen hier viel lernen, vor allem die Sprache“, erklärt Abwehrspieler Aram auf Englisch und hofft, irgendwann einmal als Sportlehrer arbeiten zu dürfen. Der Vierte im Bunde, Abdul aus Guinea, träumt indes von einer Karriere als Profi-Fußballer, hadert jedoch über die für ihn außergewöhnliche Kälte. Nur über ihr altes Leben in der Heimat wollen die Neuzugänge nicht sprechen und hoffen, dass ihnen nicht zuletzt auch der Fußball über ihre traumatischen Erlebnisse hinweghelfen kann.

Von Christian Werth