Gelungene Integration: Viel Spaß beim Nachbarschaftstreffen hatten (v.l.): Jörg Loose (Teamleiter), Morteza, Ali, Seyed, Muhammad, Silke Gaube, Yvonne Groß und Familie Malsch mit Sophie, Sabine und Dirk.

© Johanna Schumacher

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rga, 13.12.17 17:05

Interkulturelle Wohngemeinschaft

Nachbarn feiern mit den Flüchtlingen

Die Interkulturelle Wohngemeinschaft an der Joseph-Haydn-Straße hatte zum Fest eingeladen.

Im Wohnzimmer steht ein dicht behangener Tannenbaum, auf dem Esstisch befinden sich ein Adventskranz und Kekse. In dem Reihenhaus an der Joseph-Haydn-Straße wohnt aber keine bergische Kleinfamilie, sondern vier jugendliche Flüchtlinge.

Seit eineinhalb Jahren ermöglicht die Evangelische Jugendhilfe Bergisch Land diese Interkulturelle Wohngemeinschaft. Jetzt luden die Jugendlichen Seyed, Ali, Muhammed und Morteza zu einem adventlichen Nachbarschaftsfest in den eigenen vier Wänden ein.

„Die Wohngemeinschaft war ein experimentelles Projekt. Es ist das erste Mal, dass deutsche und ausländische Jugendliche relativ autonom, ohne Vollzeitbetreuung zusammen leben“, sagt Silke Gaube, Geschäftsführerin der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land.

Schwierig waren nur die Mülltrennung und die Gartenarbeit

Die anfängliche Sorge, die jungen Männer würden von den Nachbarn nicht akzeptiert, erwies sich als unbegründet. „Die Jungen wurden sehr nett aufgenommen. Die Nachbarn hatten keine Vorurteile, sondern befürchteten, sie seien zu langweilig für die Jungs“, sagt Silke Gaube und lacht. Das gute Gelingen des Projekts sei der Zuverlässigkeit der WG-Bewohner zu verdanken.

„Das Konzept gefällt uns sehr gut“, findet Nachbar Dirk Malsch, dessen Familie das Nachbarschaftsfest besuchte. „Es ist toll, dass die Jungen die Möglichkeit haben selbstständig zu werden.“

Ganz auf sich gestellt sind sie allerdings nicht. Bei täglichen Besuchen der Betreuer werden Termine geplant, Probleme besprochen und Zukunftspläne gemacht. Das Zusammenleben habe sich als unproblematisch erwiesen, die Notfallnummer wurde bisher nicht gebraucht. „Die Nachbarn sprechen die Jungen meist persönlich an, wenn sie etwas stört“, berichtet Gaube. Dank der guten Verhältnisse wollten neun Familien zum Kaffeetrinken kommen.

Schwierigkeiten gebe es eher bei den Kleinigkeiten. „Die Mülltrennung hat sich anfangs als kompliziert rausgestellt“, sagt Betreuer Jörg Loose und schmunzelt. Auch bei der Gartenarbeit traten Komplikationen auf. „Die Jungen wussten nicht, was in Deutschland Unkraut und was Blume ist“, erinnert sich Gaube.

Neben dem Lösen von Alltagsproblemen sind Loose und seine Kollegen zur Unterstützung bei der Integration und Ausbildung da. Alle WG-Bewohner machen ihren Hauptschulabschluss und Praktika in den Ferien. Der 17-jährige Afghane Ali möchte nach seinem Abschluss Elektroniker werden. Der 18-jährige Seyed hat bereits eine Ausbildung als Kinderpfleger begonnen.

Außerdem unterstützt die Jugendhilfe die volljährigen WG-Bewohner bei der Wohnungssuche. „Leider erweist sich die Wohnungsfindung als sehr schwierig“, sagt Gaube. „Wir suchen momentan für zwei junge Männer Wohnungen im Stadtbereich.“

Von Johanna Schumacher