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Begegnung im Waldhof: Dietmar Krone (l.) und Hans-Werner Osthoff wurden in ihrer Kindheit im Kinderheim gequält.Sammy, die heute dort lebt, sagt: "Das zeigt mir, wie gut wir es jetzt haben." Geschäftsführerin Silke Gaube (r.) hat die Begeg-nung ermöglicht.

BM-FOTO: HANS DÖRNER

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Bergische Morgenpost, 15.03.2013

Kindheit im Heim – eine Schreckenszeit

In den 50er Jahren haben Kinder im Remscheider Waldhof Misshandlung erlebt. Jetzt waren sie dort wieder zu Gast.

REMSCHEID/WERMELSKIRCHEN

Schläge, Demütigung, sexuelle Gewalt, Erniedrigung – all das, was auf schockierende Weise von ehemaligen Kinderheimbewohnern berichtet wird, hat es auch in Remscheid gegeben. Dietmar Krone, Jahrgang 1954, und der ein Jahr jüngere Hans-Werner Osthoff haben im ehemals städtischen Kinderheim Waldhof Dinge erlebt, die sie bis heute schwer belasten.

Auf Einladung der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land, der heutigen Trägerin der Einrichtung mit Sitz in Wermelskirchen, sind die Männer nach Remscheid gekommen. Die Vergangenheit soll aufgearbeitet werden, auch wenn die heute Verantwortlichen für die Geschehnisse aus den 50er und 60er Jahren nichts können. Geschäftsführerin Silke Gaube hat viel recherchiert, um mit den ehemaligen Heimbewohnern in Kontakt zu treten. Ihr ist es gelungen, eine Gesprächsatmosphäre zu schaffen, in der sich die Männer öffnen können."

Als Frau Gaube mich anrief, habe ich nach einiger Zeit gemerkt: Sie meint es ernst", sagt Dietmar Krone leise. Sein Martyrium fing in der eigenen Familie an. Doch statt im Waldhof Schutz und Geborgenheit zu finden, wurde der damals Vierjährige von der ehemaligen Leiterin am Ohr ins Haus gezerrt, als erbeim Abschied von seiner Mutter weinte. Die Erinnerung an stundenlanges Eingesperrtsein im dunklen Heizungsraum quält ihn bis heute."Ich kann nur bei Licht schlafen", sagt er. Die Details, wie das schwarze Treppengeländer und der grüne Heizkessel, wo er mit den Worten "Da ist der Teufel drin" hingestoßen wurde, haben sich in seinem Gedächtnis eingebrannt.

Hans-Werner Osthoff geht es nicht anders. Wer den Teller nicht leer essen mochte oder konnte, dem sei das Essen "wie bei einer Stopfgans eingetrichtert worden". Kinder und Jugendliche übernachteten in einem Zimmer, sexuelle Übergriffe und Perversionen der Älteren gegen die Jüngeren wurden vom Personal geflissentlich übersehen. Schläge gab es auch mit dem Kochtopf. Es habe keine Chance gegeben, sich irgendwem anzuvertrauen. "Uns wurde doch nicht geglaubt", sagt Osthoff resigniert. Außerdem habe die Heimleiterin einen solchen Druck ausgeübt, dass man sich überhaupt nicht getraut habe, über die Grausamkeiten zu sprechen.

Dietmar Krone hat sein Erleben im Waldhof und in weiteren Einrichtungen in dem Buch "Albtraum Erziehungsheim" zusammengefasst, das auf großes Interesse gestoßen ist. Als Leserin fand Silke Gaube Hinweise, dass ein Teil der Schilderungen Bezug zum Waldhof haben muss, und nahm mit dem Autor Kontakt auf.

Beiden Gewaltopfern liegt es fern, zur heutigen Heimerziehung Parallelen zu ziehen. "Ich möchte keinesfalls den Waldhof von heute mit Dreck beschmeißen", betont Krone. Doch "billige" Entschuldigungen wie "Das war damals eben die Zeit" mögen beide auch nicht mehr hören.

Die 16-jährige Sammy hat denSchilderungen der Männer, aufmerksam zugehört. "Schlimm", sagt das junge Mädchen, das als Gruppensprecherin zu dem Gespräch eingeladen wurde. Mit leiser Stimme fügt sie hinzu: "Das zeigt mir, wie gut wir es jetzt haben." Wann die Zustände sich zum Besseren gewendet haben, vermögen Krone und Osthoff nicht zu sagen. Nicht viele ehemalige Opfer wollen von ihren Erfahrungen berichten. "Ich kenne eine Menge Leute, die damals mit mir im Heim gewohnt haben. Aber reden möchte keiner mehr darüber", berichtet Hans-Werner Osthoff von großem verdrängtem Leid.

VON STEFANIE BONA

 

Das Kinderheim

Waldhof ist heuteEvangelische Jugendhilfe

Buch: "Albtraum Erziehungsheim"von Dietmar Krone, ist im Engels-dorfer Verlag erschienen, 10 Euro.

Träger: Vor acht Jahren vereinten sich das Remscheider Kinderheim "Der Waldhof" und die "Evangelische Kreiskinderheim gGmbH" aus Wermelskirchen zur "Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land".